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Konzert - Teo Otto Theater

Remscheid 12.03.2011

www.musenblaetter.de

 

24 Karat  - Das Anatolian Jazz Orchestra schlägt goldene Brücken

von Frank Becker 

Aus der Schwärze des abgedunkelten Bühnenraums erhebt sich die klagende Stimme einer Mey, der anatolischen Version der armenischen Doppelblattflöte, nur begleitet vom dumpfen Rhythmus einer Handtrommel. Özgür Ersoy und Peer Triebler (dr) eröffnen in „Selam Olsun“ mit anatolischen Folklore-Elementen ein rares Jazz-Konzert, wie es in solcher Qualität im Remscheid schon lange nicht zu hören war. Drei Posaunen (Jörg Vollerthun, Rambald Bellmann, Daniel Busch), Baßposaune (Otwin Zipp), Saxophon (Jörg Miegel), Flügelhorn/Trompete (Matthias Harig), Kontrabaß (Gerhard Kubach) und Klavier (Rolf Zielke) treten mit unerhört gradlinigem Big Band-Sound, satten Bläsersätzen, scharfen Riffs hinzu. Die Sängerin Sibel Egilmez wird folgen und Özgür Ersoy wird auch an der viersaitigen Saz musikalische Meisterschaft zeigen.

Bigband von internationalem Format

Was sich dann vor dem begeisterten Publikum entwickelt, ist einer der brillantesten Musik-Abende die ich in den letzten Jahren hören durfte oder um mit „Casablanca“ zu sprechen, „der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“. Das 2005 von Remzi Emek in Berlin gegründete Anatolian Jazz Orchestra eroberte mit seinem Konzert im Teo Otto Theater im Sturm die Herzen der (wenigen) Musikfreunde, die am Samstagabend den Weg in den Konzertsaal fanden. Gerade mal 56 Menschen folgten begeistert dem Auftritt der Spitzenformation. Lieder der osttürkischen/anatolischen Folklore und veritabler Basie-/Edelhagen-Sound verschmelzen mit ansteckendem Drumbeat und delikaten Saz-Passagen zu Bigband-Jazz der internationalen Spitzenklasse. Das liegt zum einen an den grandiosen Arrangements, zum anderen daran, daß wir es hier mit einer Formation aus ersten Kräften zu tun haben. Im Metier spricht man in solchen Fällen von einer All-Star-Band. Die gibt mit Verve und spürbarer Spielfreude alles – und das ist wahrlich viel.

Üsküdara

Der 1953 von Eartha Kitt weltweit populär gemachte Song „Üsküdara“ wird mit Daniel Busch an der Posaune zu einem Mainstream-Manifest, „Efem“ schlägt mit gestopfter Trompete eine Brücke über den Bosporus und zärtlich traumgleich verwöhnt die sanfte Ballade „Sarim gelin“ im Trio Stimme/Tenorsaxophon/Klavier mit der ruhigen Variante.

Das Miteinander von Vorderem Orient und Okzident funktioniert vorzüglich auch in „Suzan Suzi“ mit packenden Bläser-Riffs, zitatenreichem Spiel des Saxophons - nebenbei: eine wirklich heiße Kanne! - oder dem perlenden, schnellen, Jazz-Seele atmenden Spiel des Klaviers (Rolf Zielke) ebenso wie in dem fröhlich swingenden „Halkali Seker“ mit Ortwin Zipp an der Baßposaune, der auch die jazzharmonische Perle „Junus“ eröffnet und nach einem brillanten Solo Mathias Harigs am Flügelhorn beschließt.

„Gelin alma havasy“ bedeutet: Die Braut kommt ins Dorf. Das s(ch)wingt in der Vorfreude auf das Hochzeitsfest, aber auch ein klein wenig Wehmut klingt mit. Soli der Saz von Özgür Ersoy und des gestrichenen Kontrabasses von Gerhard Kubach tragen dieses wundervolle Stück. In „Mehriban“, das wie „Baeindaki tellere“ von Posaunen-Soli Daniel Buschs gekrönt wurde, konnte sich auch Schlagzeuger Peer Triebler, der feinfühlig und unauffällig präsent dem Dutzend + 1 Nummern das Rückgrat gab, mit einem dreiminütigen Solo ausgiebig vorstellen.

Das ganze Konzert ist mit seinen mehr als zwei Stunden und harmonischen Meisterstücken von A wie Anfang bis Z wie Zugabe („Batum“) ein einziges Vergnügen, Hochgenuß auf der ganzen Linie. Mein ganzes Mitgefühl gilt dem Publikum, das am Samstag nicht da war – es hat sich um ein grandioses Erlebnis betrogen.

Die hervorragende CD „Zeytin Ağaci“ (Olivenbaum) gibt mit 10 Stücken einen Eindruck – sie kann über die Heimseite des Orchesters bezogen werden: www.anatolianjazz-orchestra.de.

Musenblätter, März 2011

 

 

Bergische Morgenpost 14.03.2011

bm kritik

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Moderner Jazz mit anatolischen Volkslieder

Von Michael Möller

REMSCHEID Stehend applaudierte am Samstagabend eine kleiner Kreis von Jazzfans im Teo Otto Theater. Es bedankte sich beim Anatolien Jazz Orchestra aus Berlin für ein außergewöhnliches Konzert. Das Publikum hatte eine Fusion aus anatolischer Folklore und Jazz miterlebt. Die Lieder der anatolischen Volksmusik bildeten die Basis für den Big Band Sound. „Wir versuchen einen Mix aus Folklore und Jazz hinzubekommen; kein Nebeneinander der beiden Stilrichtungen, sondern eine Fusion. Ein Künstler ist nie mit sich zufrieden, daher versuchen wir immer besser zu werden“, erklärte Matthias Harig. Er spielte Trompete und Flügelhorn und moderierte den Abend. Das Ziel, besser zu werden, schien schon am Samstagabend vollends erreicht. Die meisten Stücke folgten einen festen Schema. Özgür Ersoy setzte mit der Baglama (Langhalsgitarre) oder der Mey (Flöte) und einem Volkslied ein. Das Thema wurde vom übrigen Orchester aufgegriffen und entwickelt sich zum vollen Big-Band-Sound. Am Ende stellte sich in der Regel das ursprüngliche Lied wieder ein.

Zehn Musiker und eine Sänger

Mit Otwin Zipp an der Bassposaune, Harig mit Trompete und Flügelhorn Ersoy an Mey, Baglama und Zurna (Kegeloboe), Daniel Busch, Jörg Vollerthun und Rambald Bellmann an den Posaunen, Jörg Miegel mit seinem Saxofon, Gerhard Kubach am Bass, Peer Triebler am Schlagzeug, und Rolf Zielke am Steinway standen zehn Vollblut-Instrumentalisten mit Jazzausbildung auf der Bühne. Als Sängerin war Sibel Egilmez zu hören. Bei allen Liedern hatte Arrangeur Dieter Jalowietzki darauf geachtet, dass das Brundthema erkennbar blieb, dann aber reizvoll im Jazz verpackt wurde.

Dieses feinkörnige Konglomerat aus Folklore und Jazz servierten die elf Jazzmusiker mit Spielwitz und augenscheinlichen Spaß. Ein Leckerbissen im Menü dieser Jazzspezialitäten stellte das Liebeslied „Die blonde Braut“ dar. Nur Rolf Zielke am Klavier, Jörg Miegel am Saxofon und Sängerin Sibel Egilmez standen auf der Bühne. Mit ihren Soli zeigten die Musiker ihr Können. Dies wurde mit Applaus vom Publikum anerkannt.

Beim letzten Lied des Konzertes im Teo Otto Theater ging es um die „Haare auf dem Kopf“. Dabei kam nicht nur die Zurna-Flöte im Big-Band-Sound besonders zur Geltung, es war auch das Mitklatschen der Besucher erwünscht. Ohne Zugabe ließ am die Musiker nicht gehen.

Bergische Morgenpost, März 2011

 

Konzert am 18.09.2010 in Kapern

elbekritik

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Zwischen Orient und Okzident

„Anatolian Jazz Orchestra“ begeisterte in der Kaperner Kirche

asb Kapern. Pastor Eckhard Kruses Frage, wie sich eine Dorfkirche mit Leben ausfüllen lässt, wurde am Sonnabendabend prompt beantwortet: das „Anatolian Jazz Orchestra“ verwandelte die mittelalterliche Kirche in einen brodelnden Jazzclub wie zu den besten Zeiten der Big-Band-Ära. Vier Posaunen, eine Trompete, ein Saxofon sowie ein Schlagzeuger und ein Kontrabassist bildeten das klanggewaltige Grundgerüst der zehnköpfigen Jazzcombo. Am Piano brillierte der virtuose Jazzpianist Rolf Zielke, der zuletzt mit Jazzbearbeitungen von Händelstücken für Furore gesorgt hatte. Für die orientalischen Part standen die Sängerin Sibel Egilmez und der Musiker Özgür Ersoy mit seinen traditionell türkischen Instrumenten.

Ausschließlich anatolische Volkslieder präsentierte das „Anatolian Jazz Orchestra“in modernen Jazz-Arrangements aus der Feder des Berliner Arrangeurs Dieter Jalowietzki. Ihm gelang die perfekte Fusion zwischen den melodiösen und doch so schlichten türkischen Weisen und westlichen Jazzrhythmen. Mit wacher Präsenz, traumwandlerischem Zusammenspiel und treibenden Rhythmus präsentierten die zehn Musiker und Musikerinnen auf beeindruckende Weise, wie gut Orient und Okzident zusammen passen.

Schwer zu sagen, wer von den zehn Musikern der Beste war. Jeder von ihnen glänzte in seinem Fach: Kontrabassist Gerhard Kubach brillierte mit seiner Fähigkeit, treibende Rhythmen ohne Spannungsverlust durch ein ganzes Stück zu ziehen, Sängerin Sibel Egilmez mit ihrer klaren Stimme und den eindringlichen türkischen Volksmelodien. In ihren Soli bewiesen die Bläser, dass sie zur Oberklasse des europäischen Jazz gehören. Nicht zu vergessen natürlich Pianist Rolf Zielke, der nicht nur technisch mit allen Wassern gewaschen ist. Auch sein hochwertiges Spiel sorgte mit dafür, dass die Spannungsbögen bis auf die Spitze getrieben wurden. Besonders im Zusammenspiel mit den traditionellen Instrumenten der türkischen Kultur, der Mey, einer Holzflöte mit Doppelrohr, die als Vorläufer der europäischen Oboe gilt, und der Saz, der türkischen Langhalslaute, wurde deutlich, wie gut es dem Anatolian Jazz Orchestra gelingt, die unterschiedlichen Klangwelten aus Orient und Okzident zu verschmelzen, ohne dass die eher zarten Töne der türkischen Weisen verloren gehen.

Dem Veranstalter Wendland Jazz aus Gartow ist mit diesem Konzert wieder einmal ein Coup gelungen. Schon zum dritten Mal präsentierten der kleine Jazzverein ein Konzert von höchster Qualität. Das Publikum dankte es mit frenetischem Applaus.

Elbe-Jeetzel-Zeitung, Sep. 2010